Interkulturelle Wetterau

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Verneigung vor einem großen Wetterauer

von links Norbert Kartmann, Präsident des Hessischen Turnverbandes, Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch und Ausstellungsmacher Rolf Lutz.

Eine Ausstellung über das Leben und Wirken von Friedrich-Ludwig Weidig hat Kreisbeigeordnete Stephanie Becker-Bösch jetzt im Friedberger Kreishaus eröffnet. Die Ausstellung wird im Rahmen des Projektes Öffnet externen Link in neuem FensterDemokratie leben! gezeigt und soll insbesondere Schulklassen ansprechen.

Friedrich-Ludwig Weidig war evangelischer Theologe, Pädagoge, Publizist und Turnpionier. Als einer der maßgeblichen Protagonisten des Vormärz und Wegbereiter der Revolution 1848 war er Wegbegleiter von Georg Büchner. Nach dem Vorbild von Friedrich-Ludwig Jahn führte Weidig mit seinen Schülern in Butzbach Turnübungen durch. 1814 gründete er auf dem Schrenzer den ersten Turnplatz in Hessen. Weidig war bei den Vorbereitungen des Hambacher Festes 1832 beteiligt. Mit Georg Büchner arbeitete er zusammen an der ersten Druckfassung des „Hessischen Landboten“. In der Folge wurde Weidig vom Dienst als Lehrer suspendiert und als Pfarrer in den Vogelsberg versetzt. 1834 wurde er verhaftet und im Jahr darauf ins Arresthaus nach Darmstadt verlegt, wo er ohne Prozess und die Möglichkeit, sich selbst verteidigen zu können, zwei Jahre später den Freitod wählte.

Becker-Bösch: „Weidig war ein Vordenker der Demokratie“

Kreisbeigeordnete und Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch nannte Weidig einen Vordenker der Demokratie, der für seine Überzeugungen gestorben ist. „Seine Vision von Freiheit und Demokratie ist heute noch aktuell.“ Die Ausstellung, so Becker Bösch, sei in das Projekt „Demokratie leben!“ eingebunden an der der Wetteraukreis seit Sommer dieses Jahres teilnimmt. Besser als mit der historischen Person Friedrich-Ludwig Weidigs seien die Ziele des Projektes kaum zu vermitteln.

Kartmann: „Für die Identität der Hessen von eminenter Bedeutung“

Norbert Kartmann, „Weidigschüler und Weidigstädter“ aus Überzeugung, sprach in seiner Funktion als Präsident des Hessischen Turnverbandes. Weidig habe mit seiner Arbeit die Verzahnung von Politik und Sport vorangetrieben. Für den Vormärz sei Weidig viel wichtiger, als es in den Lehrbüchern der Schulen dargestellt werde. „Für die hessische Geschichte und die Identität der Hessen ist Weidigs Beitrag zum Vormärz von eminenter Bedeutung.“

Lutz: „Eine Verneigung vor seiner Lebensleistung“

Zusammengestellt hat die Ausstellung Rolf Lutz, der selbst Lehrer und Ehrenvorsitzender des Wetterauer Sportkreises ist. Er zählt Weidig zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der Wetterau, der etwas im Schatten seines Zeitgenossen und Mitkämpfers Büchner steht. Weidig sei auch heute noch ein Vorbild für alle Demokraten. Als Lehrer betonte er die Bedeutung von sportlicher Betätigung in Gottes freier Natur neben Lernfächern wie Mathematik und Latein. „Nach dem Tod Weidigs wurden seine Visionen von seinen Nachfolgern weitergetragen und durchgesetzt. Die Ausstellung, die Leben und Wirken von Friedrich-Ludwig Weidig dokumentiert, ist eine Verneigung vor seiner Lebensleistung“, so Lutz.

Führungen für Schulklassen

Die Ausstellung ist vor allem für Schulklassen interessant, die sich mit Fragen der Restauration, des Vormärz, der Revolution von 1848 und deutscher Demokratiegeschichte befassen. Lutz bietet dazu spezielle Führungen für Schulklassen durch die Ausstellung an. Anfragen unter Telefon: 06035/66 02.
Der Erste Stadtrat der Friedrich-Ludwig-Weidig-Stadt Butzbach, Manfred Schütz, kündigte an, dass man sich in Butzbach dafür stark mache, das Weidig-Bergturnfest in Erinnerung an den großen Butzbacher wieder zu beleben.

Die Ausstellung im Foyer des Friedberger Kreishauses ist noch bis zum 18. Dezember 2017 montags bis mittwochs 7:30 bis 16 Uhr, donnerstags bis 18 Uhr und freitags bis 12:30 Uhr zu sehen.

Demokratie leben!

„Demokratie leben!“ ist ein Bundesprogramm, das Projekte zur Radikalisierungsprävention und Demokratieförderung mit kommunalen, regionalen und überregionalen Schwerpunkten fördert. Mit finanziellen Mitteln des Programms wird die Arbeit vieler Institutionen, Vereine und Initiativen und von engagierten Bürgerinnen und Bürgern in ganz Deutschland unterstützt, die sich täglich für ein vielfältiges, gewaltfreies und demokratisches Miteinander einsetzen.

Zielgruppen des Programms sind insbesondere Kinder und Jugendliche, deren Eltern, Familienangehörige und Bezugspersonen, aber auch Menschen, die ehren-, neben- oder hauptamtlich in der Jugendhilfe tätig sind.

veröffentlicht am: 17.10.2017

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