Interkulturelle Wetterau

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Nachhaltig und dauerhaft in Ausbildung und Arbeit bringen

Die Kooperationspartner für das Projekt „Wetterauer Wege in die Sozialwirtschaft“. Vorne von links: Karin Frech, Geschäftsführerin FAB, Simone Schestakoff, Fachbereichsleiterin Jugend und Soziales Wetteraukreis, Stephanie Becker-Bösch, Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernentin, Heidi Nitschke, Geschäftsführerin RDW, Petra Elsheimer, RDW, Projektmitarbeiterin. Zweite Reihe von links: Silke Wegner, FAB, Stephan Kunz, RDW, Bernhard Wiedemann, Geschäftsführer Jobcenter Wetterau, Jutta Messerschmidt, Projektleiterin und Leiterin des Fachdienstes Jugendhilfe Wetteraukreis. Hinten von links: Charlotte Grell, Wetteraukreis, Christiane Volk, Leiterin der Fachstelle Jugendarbeit Wetteraukreis, Mark Kannieß, Fachdienstleiter Soziale Hilfen Wetteraukreis, Rainer Kupka, Arbeitsagentur, Verbundleiter, Walid Kahlon, Wetteraukreis, Integration Point Wetterau, Mike Racke, Theodora Konitzky Akademie, Krankenpflegeschule.

Der Wetteraukreis ist einer von sieben Landkreisen und Städten in Hessen, der von der Landesförderung „Sozialwirtschaft integriert“ profitiert. „Unter dem Titel ‚Wetterauer Wege in die Sozialwirtschaft‘ wollen wir Menschen nachhaltig und dauerhaft in Ausbildung und Arbeit bringen und mit dazu beitragen, dass sie dauerhaft in diesen Berufen, möglichst auch in der Wetterau arbeiten“, beschreibt die Wetterauer Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch die Idee des Konzepts.

„Ich sehe die Wetterauer Wege in die Sozialwirtschaft auch als einen Beitrag, die Versorgungsdefizite im Pflegebereich zu mindern. Der Mangel, etwa im ambulanten Pflegebereich ist immer schwerer zu decken. Hier müssen wir neue Wege denken und auch vermehrt die Fähigkeiten von Menschen nutzen, die erst in den letzten Jahren nach Deutschland gekommen sind“, erläutert Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch.

„Das Potenzial ist groß“, wie Walid Kahlon vom Integration Point bestätigt. Diese Anlaufstelle hat in den vergangenen eineinhalb Jahren die Kompetenzen von mehr als 500 geflüchteten Menschen festgestellt und sie in Integrationskurse oder in berufs- und sprachbezogene Fortbildungskurse vermittelt.

Bernhard Wiedemann, Geschäftsführer des Jobcenters Wetterau, sieht ebenfalls ein hohes Potenzial, vor allem in der Altersgruppe der 20- bis 55-Jährigen. Rund 3.200 Menschen kämen prinzipiell für das Projekt in Frage, nicht nur Flüchtlinge, sondern auch andere EU-Ausländer, die im Leistungsbezug sind.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu gewinnen, ist Aufgabe von Frauen Arbeit Bildung (FAB) und Regionale Dienstleistungen Wetterau (RDW), die gemeinsam das operative Geschäft der Teilnehmerakquise und der Fortbildungs- und Praktikumsvermittlung übernehmen.

„Ziel ist es, bis Januar 2019 mindestens 32, besser mehr, Teilnehmerinnen und Teilnehmer für das Projekt zu gewinnen“, sagt Stephan Kunz von RDW. Dafür werde man in die beruflichen Schulen gehen, in denen junge Flüchtlinge ausgebildet werden, aber auch den Kontakt zum Arbeitskreis Flüchtlinge, zu den Runden Tischen, zu Sprachkursanbietern und allen Gremien suchen, die sich mit der Integration und Betreuung von Geflüchteten befassen. Die Teilnehmer des Projekts müssen deutsche Sprachkenntnisse mitbringen, um sich zumindest im Alltag zurechtzufinden. Im Rahmen des Projekts sollen diese Sprachkenntnisse dann verbessert werden.

Theorie und Praxis wechseln sich ab

In einer achtwöchigen Eingangsphase werden die Kompetenzen der Teilnehmer erweitert, erste Unterrichtseinheiten sollen die Fachsprache sowohl mündlich als auch schriftlich vermitteln. Zudem werden die rechtlichen Grundlagen für den Themenbereich Gesundheit, Pflege und Betreuung vermittelt. Am Ende der Eingangsphase steht ein Test, um den Förderbedarf festzustellen, um dann noch weitere Hilfestellungen zur Vorbereitung auf das erste von drei Praktika zu leisten.

Die Praxisphase umfasst zwölf Wochen, in denen drei jeweils vierwöchige Praktika abgeleistet werden mit einem Unterrichtstag pro Woche, der mit Sprachunterricht gefüllt wird. Potenzielle Praktikumsstellen könnten Krankenhäuser, Altenheime, Kindertagesstätten, Jugendhilfeeinrichtungen und Einrichtungen, die Kräfte in der Sozialwirtschaft suchen, sein.

In der Abschlussphase wird dann die notwendige Zusatzqualifizierung festgestellt und Lernstrategien erarbeitet. Bei einer Berufswegeplanung wird mit den Teilnehmern gemeinsam entwickelt, wie es weitergeht: Soll ein Hauptschulabschluss nachgeholt, eine Ausbildung absolviert oder ohne große Zusatzqualifikation eine Berufstätigkeit angestrebt werden?

Becker-Bösch: Motivation bei vielen Geflüchteten ist hoch

Das Projekt startet mit dem ersten Durchlauf im Januar 2019 und soll im Juni 2019 enden. Danach kann weiterer Sprachunterricht und persönliches Coaching angeboten werden, sodass zum Ausbildungsbeginn 2019 klar ist, wie es weitergeht.

Erste Kreisbeigeordnete Stephanie Becker-Bösch verspricht sich viel von dem Projekt. „Aus persönlichen Gesprächen weiß ich, wie hoch die Motivation bei vielen Geflüchteten ist, endlich für den eigenen Lebensunterhalt sorgen zu können. Der Bedarf an Fachkräften gerade im Sozialbereich ist groß. Deshalb glaube ich, dass wir mit diesem Projekt einen wirksamen Beitrag nicht nur zur Verbesserung des Angebots im Erziehungs-, Gesundheits- und Pflegebereich leisten, sondern auch zur Integration von Menschen, die dauerhaft bei uns bleiben werden.“

veröffentlicht am: 12.10.2018

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